Gehirnnerven

Gehirnnerven: die 12 Hirnnerven des Menschen

Die zwölf Hirnnervenpaare (Nervi craniales) entspringen direkt aus dem Gehirn und versorgen vor allem Kopf und Hals: Sie lassen uns riechen, sehen, hören, schmecken, kauen und sprechen. Hier findet sich jeder Hirnnerv mit Verlauf, Funktion, Klinik und Untersuchung, illustriert und kompakt erklärt.

Zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2026

Die 12 Hirnnervenpaare an der HirnbasisSchematische Ansicht des Gehirns von unten mit Austrittsstellen der Hirnnerven I bis XII.FrontallappenTemporal-lappenKleinhirnPonsIN. olfactoriusIIN. opticusIIIN. oculomotoriusIVN. trochlearisVN. trigeminusVIN. abducensVIIN. facialisVIIIN. vestibulocochlearisIXN. glossopharyngeusXN. vagusXIN. accessoriusXIIN. hypoglossus
Hirnbasis von unten: Ein Klick auf einen Namen öffnet die Seite des jeweiligen Hirnnervs.

Was sind Hirnnerven?

Hirnnerven sind die Nerven, die direkt aus dem Gehirn entspringen, im Unterschied zu den 31 Spinalnervenpaaren aus dem Rückenmark. Sie verlassen den Schädel durch Öffnungen der Schädelbasis und versorgen Sinnesorgane, Muskeln und Drüsen von Kopf und Hals. Eine Ausnahme ist der N. vagus, der bis weit in Brust- und Bauchraum zieht.

Die Nummerierung mit römischen Ziffern folgt der Lage der Austrittsstellen am Gehirn von vorne nach hinten. Die Hirnnerven I und II sind entwicklungsgeschichtlich Ausstülpungen des Vorderhirns und damit streng genommen Teile des Gehirns. Die Hirnnerven III bis XII entspringen aus dem Hirnstamm: III und IV aus dem Mittelhirn, V bis VIII aus dem Bereich der Brücke, IX bis XII aus dem verlängerten Mark. Der N. accessorius erhält zusätzlich Wurzeln aus dem Halsmark.

Alle 12 Hirnnerven in der Übersicht

Die zwölf Hirnnerven mit Faserqualität, Durchtritt durch die Schädelbasis und Hauptfunktion
Nr.HirnnervDeutschQualitätDurchtrittHauptfunktion
INervus olfactoriusRiechnervsensorischLamina cribrosaRiechen
IINervus opticusSehnervsensorischCanalis opticusSehen
IIINervus oculomotoriusAugenbewegungsnervmotorisch + parasympathischFissura orbitalis superiorAugenbewegung, Lidhebung, Pupille
IVNervus trochlearisAugenrollnervmotorischFissura orbitalis superiorM. obliquus superior
VNervus trigeminusDrillingsnervgemischtFissura orbitalis sup., Foramen rotundum, Foramen ovaleGesichtssensibilität, Kauen
VINervus abducensAugenabziehnervmotorischFissura orbitalis superiorM. rectus lateralis
VIINervus facialisGesichtsnervgemischtPorus acusticus internus, Foramen stylomastoideumMimik, Geschmack, Tränen und Speichel
VIIINervus vestibulocochlearisHör- und GleichgewichtsnervsensorischPorus acusticus internusHören, Gleichgewicht
IXNervus glossopharyngeusZungen-Rachen-NervgemischtForamen jugulareSchlucken, Geschmack, Ohrspeicheldrüse
XNervus vagusumherschweifender NervgemischtForamen jugulareParasympathikus, Kehlkopf, Schlucken
XINervus accessoriusBeinervmotorischForamen jugulareKopfdrehung, Schulterhebung
XIINervus hypoglossusUnterzungennervmotorischCanalis n. hypoglossiZungenmotorik

Einteilung nach Faserqualität

Rein sensorisch sind die Hirnnerven I, II und VIII: Sie leiten Riechen, Sehen, Hören und Gleichgewicht. Überwiegend motorisch sind die Hirnnerven III, IV, VI, XI und XII; sie bewegen Augen, Kopf, Schultern und Zunge. Gemischt sind die Hirnnerven V, VII, IX und X, die sowohl Muskeln ansteuern als auch Empfindungen leiten.

Parasympathische Fasern zu Pupille, Tränen- und Speicheldrüsen sowie zu den Eingeweiden führen die Hirnnerven III, VII, IX und X. Geschmacksfasern verlaufen im VII. Hirnnerv (vordere zwei Drittel der Zunge), im IX. (hinteres Drittel) und im X. (Kehldeckelregion).

Durchtrittsstellen an der Schädelbasis

Die Fila olfactoria ziehen durch die Lamina cribrosa, der Sehnerv durch den Canalis opticus. Die Augenmuskelnerven III, IV und VI sowie der erste Trigeminusast verlassen den Schädel durch die Fissura orbitalis superior, der zweite Ast durch das Foramen rotundum und der dritte durch das Foramen ovale. Fazialis und Vestibulocochlearis treten gemeinsam in den Porus acusticus internus ein. Glossopharyngeus, Vagus und Accessorius nutzen das Foramen jugulare, der Hypoglossus seinen eigenen Canalis n. hypoglossi.

Hirnnerven untersuchen

Die Hirnnervenprüfung gehört zu jeder neurologischen Untersuchung und lässt sich in wenigen Minuten durchführen: Riechproben, Sehschärfe und Gesichtsfeld, Pupillenreaktion und Augenbewegungen, Gesichtssensibilität und Kornealreflex, Mimik, Gehör, Gaumensegel und Würgereflex, Schulterheben und Kopfdrehen sowie das Herausstrecken der Zunge. Weil jeder Hirnnerv ein umschriebenes Gebiet versorgt, lässt sich aus der Kombination von Ausfällen oft genau ableiten, wo eine Schädigung liegt, zum Beispiel im Hirnstamm, im Sinus cavernosus oder am Foramen jugulare.

Zum Einprägen der Reihenfolge eignen sich Merksprüche. Die bekanntesten sind auf der Seite Merksprüche 12 Hirnnerven zusammengestellt.

Häufige Fragen

Wie viele Hirnnerven gibt es?

Der Mensch hat zwölf Hirnnervenpaare, die mit römischen Ziffern von I bis XII nummeriert werden. Die Nummerierung folgt der Reihenfolge ihres Austritts am Gehirn von vorne nach hinten.

Welcher Hirnnerv ist der längste und welcher der dickste?

Der N. vagus (X) hat den längsten Verlauf und das größte Versorgungsgebiet. Der dickste Hirnnerv ist der N. trigeminus (V), der dünnste der N. trochlearis (IV).

Welche Hirnnerven sind rein sensorisch?

Der N. olfactorius (I), der N. opticus (II) und der N. vestibulocochlearis (VIII).

Welche Hirnnerven führen parasympathische Fasern?

Der N. oculomotorius (III), der N. facialis (VII), der N. glossopharyngeus (IX) und der N. vagus (X).

Was unterscheidet Hirnnerven von Spinalnerven?

Hirnnerven entspringen direkt aus dem Gehirn und treten durch Öffnungen der Schädelbasis aus. Spinalnerven entspringen aus dem Rückenmark und verlassen den Wirbelkanal durch die Zwischenwirbellöcher.

Wie kann man sich die 12 Hirnnerven merken?

Am bekanntesten ist der Merkspruch „Orthopäde Oli operiert tag täglich, aber Feiertags verbiegt er gerne viele alte Hüften“. Weitere Eselsbrücken stehen auf der Seite Merksprüche 12 Hirnnerven.